Zwei schwarze Jäger von Brigitte Kronauer

“Die zwei schwarzen Jäger” von Brigitte Kronauer war für alle eine sehr große Herausforderung und die meisten haben es nicht zu Ende gelesen. Viele von uns haben sich wirklich bemüht und haben mehrmals angefangen bzw. einige der Geschichten mehrmals gelesen. Für fast alle ist Deutsch nicht die Muttersprache und einige haben sich gefragt, ob sie jemals richtig Deutsch gelernt haben. Aber auch den Muttersprachlern waren die Zusammenhänge nicht klar. Das Lesen war eher ein Kampf als ein Vergnügen. Wir empfanden das Buch verwirrend – zu viele Beziehungen, Figuren und Zeitsprünge – und konnten den roten Faden nicht finden. Also niemand dachte, dass es sich um eine “recht klare Geschichte” handelte (Rezension der Tageszeitung) oder dass der Roman “wunderlich amüsant” war und sich eine “Sinnstruktur” enthüllte (Rezension in der Neuen Zürcher Zeitung). 
 
Einige der Geschichten waren interessant und die Autorin ist äußerst gebildet und die Sprache ist sehr schön. Am Ende der Diskussion gab es auch eine Art Konsensus. Wir hatten den Eindruck, dass viele der Charaktere “säuerlich” und gehässig waren, denn wenn es einem nicht gut geht bzw. wenn man Probleme hat, dann müssen sich andere einfach schlecht fühlen oder man muss ihnen das Leben zur Hölle machen oder im Extremfall jemanden töten.  
 
Allerdings war die Diskussion sehr gut und lebhaft. Vergleiche mit vielen Wählen in den USA in Bezug auf Missgunst wurden erwähnt und wir sind froh, dass wir ein Buch dieser so renommierten Autorin gelesen haben. 

Buch des Monats

Zwei schwarze Jäger von Brigitte Kronauer

Zwei schwarze ∆auger

Wir besprechen dieses Buch am 23. Juni bei Susanne

Unser 20. Jubiläum

Wir haben unser 20. Jubiläum in Alicia’s tollem Strandhaus in Lewes ausgiebig mit gutem Essen, Bier und Wein, schönen Spaziergängen, einer Torte und tollen Gesprächen auf Deutsch gefeiert. Schon einige Woche vorher gab es Anlass zu feiern, da wir Besuch vom Lübecker Literaturkreis hatten. Andreas Mroß war mit seiner Frau Doris und Tochter Johana zu Besuch und wir hatten ein herrliches Essen, viel Wein und ausführliche Gespräche an einem Abend im Februar. 
 
Es war das erste Mal in 20 Jahren, das wir uns mit Gedichten beschäftigten und das haben eigentlich alle mehr genossen als erwartet. Wir haben unsere Lieblingsgedichte vorgetragen oder Aufnahmen vom Internet vorgespielt. Da unser erstes Buch von Erich Kästen war, haben wir ein Gedicht von ihm ausgesucht. Außer den unten angeführten Lieblingsgedichten haben wir auch über die “Galgenlieder” von Christian Morgenstern und Gedichte von Joachim Ringelnatz (z.B. “Der Park”) gesprochen und haben uns auf dem Internet “Das Ei ist hart” von Loriot angesehen. 
 
“Der Handschuh” von Friedrich Schiller
“Corona” von Paul Celan
“Die Stunde der Zeit” von Ingeborg Bachmann
“Selbstkritik” von Wilhelm Busch
“Das Huhn und der Karpfen” von Heinrich Seidel
“Die Lorelei” von Heinrich Heine
“Der Panther” von Rainer Maria Rilke
“Vereinsamt” von Friedrich Nietzsche
“Advent” von Loriot
“Der Mensch ist gut” von Erich Kästner

Lieblingsgedichte zum Jubiläum

20 Jahre

Wir feiern im Mai unser 20. Jubiläum und deshalb gibt es kein “Buch des Monats”, sondern jeder von uns wird sein(e) Lieblingsgedicht(e) mitbringen und mit den Mitgliedern teilen.

Wir treffen uns vom 3. – 5. Mai in Lewes im Strandhaus von Alicia.

Faserland von Christian Kracht

Das Buch haben alle zu Ende gelesen, denn es war leicht und schnell zu lesen. Allerdings war der Inhalt weniger “leicht”. Im Gegenteil, der Inhalt war traurig, deprimierend; manche von uns fanden ihn etwas übertrieben. Dem Autor ist es gut gelungen, die Beziehungsunfähigkeit, die innere Leere der Reichen, deren exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum, die Dekadenz der höheren Gesellschaft insgesamt, sowie die Klassenunterschiede und die Oberflächlichkeit der materiellen Gesellschaft zu beschreiben.

Der Protagonist, dessen Namen wir nie erfahren, der quer durch Deutschland reist, alte Freunde trifft, mit denen ihn scheinbar nichts wirklich verbindet, und nuancierte und teilweise sogar tiefsinnige Beobachtungen wiedergibt scheint sich auf einer Art Sinnessuche zu befinden, ist aber erfolglos, da er im Grunde genommen willenlos ist. Weder er noch seine Freunde sind sympathisch und scheinen lebensunfähig. Am Ende des Buches findet man auch noch Zusammenhänge mit Thomas Mann.

Wir sind alle froh, dieses Buch gelesen zu haben und möchten auf alle Fälle noch ein Buch von Christian Kracht lesen. Es war auch interessant, mehr über den Autor zu erfahren und einige Rezensionen zu lesen, da es unterschiedliche Meinungen zu diesem Buch gibt.

Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen von Heinrich Mann

Einige von uns kannten dieses Buch von früher oder haben den Film “Der blaue Engel” mit Marlene Dietrich und Emil Jannings gesehen. Obwohl das Buch keine totale Begeisterung ausgelöst hat, hat es allen bis auf zwei Ausnahmen sehr gut gefallen. Allerdings war der Anfang etwas schwierig und das Plattdeutsch war eine Herausforderung für alle. Tja, sogar “Herr Unrat” hat Probleme damit:). Diejenigen, die das Buch auf Kindle gelesen haben, fanden die Einbindung des Offline-Wörterbuches extrem hilfreich, denn es gab viel nachzuschlagen.

Die Diskussion war sehr interessant, denn fast jedes Mitglied fand eine andere Perspektive der Geschichte faszinierend. Für manche war das Thema von Sitte und Moral aufschlussreich, für andere das Verhältnis zwischen Professor Rat und Rosa Fröhlich. Natürlich wurden alle Charaktere ausführlich besprochen, denn wir alle kennen Tyrannen, die Leute unterdrücken, aber auch Leute wie Lohmann, der sich gerne mit Poesie und Literatur beschäftigt und unglücklich verliebt ist. Aber Lohmanns’ Intelligenz wird von Professor überhaupt nicht gefördert. Im Gegenteil, weil er voller Hass und Misstrauen ist, stellt er seine Schüler lieber bloß und unterdrückt sie. Einige fragten sich, wie sich Professor Rat zu so einem unsympathischen und im Endeffekt aber Mitleid erregenden Charakter entwickeln konnte. Auch die Klassenunterschiede und die heuchlerische Moral der Gesellschaft wurden besprochen, so wie das Thema der “gesellschaftlichen Normen und Regeln’, die unbedingt eingehalten werden müssen, Die Entwicklung der Charaktere war beeindruckend und auch die Beschreibung, wie Prof. Unrat Rosa als Instrument seines Hasses verwendet wird und Rosa Fröhlich dabei bewusst mitmacht.

Heinrich Manns berühmtes Werk ist eine Satire und kritisiert die bürgerliche Scheinmoral und die autoritären Strukturen des deutschen wilhelminisches Kaiserreiches. Trotz allem ist dieses Buch heute noch aktuell, denn es gibt auch jetzt noch zahlreiche Tyrannen, die leider noch mehr Macht besitzen.

Der Roman und der Film “Der Blaue Engel” weichen inhaltlich voneinander ab, aber letztendlich wurde das Buch durch den Film so berühmt.

Am Ende des Treffens haben wir uns auch noch mit der Beziehung zwischen Thomas und Heinrich Mann beschäftigt, die von viel Zuneigung und Konflikt geprägt war.