Kolbe von Andreas Kollender

Das Buch, in dem es um einen vergessenen Helden des Widerstands gegen den Nationalsozialismus geht, hat den meisten gefallen, ganz besonders denen, die Spionageromane mögen. Allerdings gab es unterschiedliche Meinungen über bestimmte Aspekte. Manche fanden es toll, wie der Autor Tatsachen mit erfundenen Szenen verwoben und eine Liebesgeschichte integriert hat, andere hätten es bevorzugt, wenn der Autor bei der Spionagestory geblieben wäre. Das Buch war an und für sich leicht zu lesen, teilweise sehr spannend, und es war interessant mehr über einen Spion herauszufinden, der kein Held im eigentlichen Sinne war sondern ein eher spießiger Durchschnittsbürger, der irgendetwas unternehmen will, weil er so wütend ist und glaubt, dass das Hitler-Regime durch eine möglichst schnell Niederlage gestoppt werden müsse.  Einige fanden die Fehler von Kolbe etwas irritierend, besonders da nicht klar ist, was wahr und was erfunden ist. Im Buch wird am Anfang eine Tochter erwähnt, im wahren Leben gab es einen Sohn, aber leider erfährt man nirgends, wie die Beziehung zwischen Vater und Kind nach dem Krieg weitergegangen ist.

Wir sind froh, dass wir den Roman gelesen haben, denn die Geschichte ist interessant und hat ein Mitglied an den Roman “Beneath a Scarlet Sky” über einen italienischen Spion erinnert. Ein anderes Mitglied hat erwähnt, dass in der deutschen Serie “Charité”, die auch bei uns auf Netflix zu sehen ist, u.a. die Beziehung zwischen Maria Fritsch, der Privatsekretärin des Chirurgen Ferdinand Sauerbruch, und Kolbe dargestellt wird, der sie schließlich auch heiratet. Maria Fritsch war es auch, die Kolbe im Widerstand gegen den Nationalsozialismus unterstützte. Des Weiteren haben wir über “Operation Paperclip” im Zusammenhang mit dem Wehrmachtsoffizier Reinhard Gehlen gesprochen, der im Gegensatz zu Kolbe nach dem Krieg hofiert wurde und im Grunde genommen dafür verantwortlich war, dass Kolbe nach dem Krieg nie mehr im Auswärtigen Amt arbeiten konnte.. Ein gutes Buch, eine gute Diskussion, und inhaltlich gesehen gibt es in Anbetracht der derzeitigen politischen Situation in den USA und in Europa einige wichtige Themen.

 

Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells

Eigentlich eine Seltenheit – alle haben das Buch zu Ende gelesen und waren davon begeistert:). Für Einige zählt es jetzt sogar zu den Lieblingsbüchern! Also kein Wunder, dass dieses Buch über drei Geschwister, die ihre Eltern verloren haben und auf unterschiedliche Weise versuchen mit diesem Schicksalsschlag fertig zu werden, 80 Wochen auf der Bestsellerliste war! Ja, und mit der Rezension in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung stimmte niemand überein, denn die war eher negativ.

Das Buch war leicht zu lesen aber aufgrund des Inhalts nicht einfach. Es gab gute Formulierungen und die Sprache war fließend. Der Inhalt nahm einen in Bann und man wollte das Buch einfach nicht aus der Hand legen. Wir konnten kaum glauben wie jung der Autor ist und wie gefühlvoll er die Geschichte beschrieben und die Charaktere behandelt hat. Wir waren alle von der Geschichte zutiefst berührt. Und obwohl sie traurig war, gibt es am Ende doch Hoffnung. Nichts im Buch war gekünstelt und es ist sehr schwierig so zu schreiben! Die Themen, die angeschnitten wurden, waren vielfach und interessant. Unsererseits gab es wirklich nichts daran auszusetzen.

Wirklich empfehlenswert und das ohne Einschränkung!

Zwei schwarze Jäger von Brigitte Kronauer

“Die zwei schwarzen Jäger” von Brigitte Kronauer war für alle eine sehr große Herausforderung und die meisten haben es nicht zu Ende gelesen. Viele von uns haben sich wirklich bemüht und haben mehrmals angefangen bzw. einige der Geschichten mehrmals gelesen. Für fast alle ist Deutsch nicht die Muttersprache und einige haben sich gefragt, ob sie jemals richtig Deutsch gelernt haben. Aber auch den Muttersprachlern waren die Zusammenhänge nicht klar. Das Lesen war eher ein Kampf als ein Vergnügen. Wir empfanden das Buch verwirrend – zu viele Beziehungen, Figuren und Zeitsprünge – und konnten den roten Faden nicht finden. Also niemand dachte, dass es sich um eine “recht klare Geschichte” handelte (Rezension der Tageszeitung) oder dass der Roman “wunderlich amüsant” war und sich eine “Sinnstruktur” enthüllte (Rezension in der Neuen Zürcher Zeitung). 
 
Einige der Geschichten waren interessant und die Autorin ist äußerst gebildet und die Sprache ist sehr schön. Am Ende der Diskussion gab es auch eine Art Konsensus. Wir hatten den Eindruck, dass viele der Charaktere “säuerlich” und gehässig waren, denn wenn es einem nicht gut geht bzw. wenn man Probleme hat, dann müssen sich andere einfach schlecht fühlen oder man muss ihnen das Leben zur Hölle machen oder im Extremfall jemanden töten.  
 
Allerdings war die Diskussion sehr gut und lebhaft. Vergleiche mit vielen Wählen in den USA in Bezug auf Missgunst wurden erwähnt und wir sind froh, dass wir ein Buch dieser so renommierten Autorin gelesen haben. 

Buch des Monats

Zwei schwarze Jäger von Brigitte Kronauer

Zwei schwarze ∆auger

Wir besprechen dieses Buch am 23. Juni bei Susanne