Die Entdeckung der Langsamkeit von Sten Nadolny

Ein interessanter Inhalt, ein tolles Buch und alle waren vom Schreibstil sehr beeindruckt. Bis auf eine Ausnahme hat “Die Entdeckung der Langsamkeit”, in dem der Autor von dem britischen Seefahrer und Polarforscher John Franklin erzählt, auch allen gut gefallen. Außer den nautischen Spezialausdrücken war das Buch leicht zu lesen und zu verstehen. Die Schilderungen dieser historischen Fiktion waren eindrucksvoll, teils Seefahrer-Roman, teil Aussteiger-Roman. Besonders die Beschreibung des Lebens auf dem Schiff – wie langweilig es sein kann, denn man ist ja “nirgendwo” und nur von Wasser umgeben sowie die Beziehungsprobleme und die Dynamik – war großartig.

Aber besonderen Eindruck machte die Tatsache, wie positiv Sten Nadolny die “Langsamkeit” des Hauptcharakters beschrieben hat, wie er sich in ihn hineindenken und -fühlen konnte. Die Hauptfigur ist ein Außenseiter mit klaren Schwächen und begreift das ganz früh im Leben. Aber anstatt in Selbstmitleid zu zerfließen, lernt er nicht nur damit zu leben sondern ergreift konkrete Schritte, um diese Schwächen in Stärken zu transformieren. Somit meistert er die Schwierigkeiten in seinem Leben ohne Unterstützung und auf eine bedächtige Art und Weise.

Kolbe von Andreas Kollender

Das Buch, in dem es um einen vergessenen Helden des Widerstands gegen den Nationalsozialismus geht, hat den meisten gefallen, ganz besonders denen, die Spionageromane mögen. Allerdings gab es unterschiedliche Meinungen über bestimmte Aspekte. Manche fanden es toll, wie der Autor Tatsachen mit erfundenen Szenen verwoben und eine Liebesgeschichte integriert hat, andere hätten es bevorzugt, wenn der Autor bei der Spionagestory geblieben wäre. Das Buch war an und für sich leicht zu lesen, teilweise sehr spannend, und es war interessant mehr über einen Spion herauszufinden, der kein Held im eigentlichen Sinne war sondern ein eher spießiger Durchschnittsbürger, der irgendetwas unternehmen will, weil er so wütend ist und glaubt, dass das Hitler-Regime durch eine möglichst schnell Niederlage gestoppt werden müsse.  Einige fanden die Fehler von Kolbe etwas irritierend, besonders da nicht klar ist, was wahr und was erfunden ist. Im Buch wird am Anfang eine Tochter erwähnt, im wahren Leben gab es einen Sohn, aber leider erfährt man nirgends, wie die Beziehung zwischen Vater und Kind nach dem Krieg weitergegangen ist.

Wir sind froh, dass wir den Roman gelesen haben, denn die Geschichte ist interessant und hat ein Mitglied an den Roman “Beneath a Scarlet Sky” über einen italienischen Spion erinnert. Ein anderes Mitglied hat erwähnt, dass in der deutschen Serie “Charité”, die auch bei uns auf Netflix zu sehen ist, u.a. die Beziehung zwischen Maria Fritsch, der Privatsekretärin des Chirurgen Ferdinand Sauerbruch, und Kolbe dargestellt wird, der sie schließlich auch heiratet. Maria Fritsch war es auch, die Kolbe im Widerstand gegen den Nationalsozialismus unterstützte. Des Weiteren haben wir über “Operation Paperclip” im Zusammenhang mit dem Wehrmachtsoffizier Reinhard Gehlen gesprochen, der im Gegensatz zu Kolbe nach dem Krieg hofiert wurde und im Grunde genommen dafür verantwortlich war, dass Kolbe nach dem Krieg nie mehr im Auswärtigen Amt arbeiten konnte.. Ein gutes Buch, eine gute Diskussion, und inhaltlich gesehen gibt es in Anbetracht der derzeitigen politischen Situation in den USA und in Europa einige wichtige Themen.

 

Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells

Eigentlich eine Seltenheit – alle haben das Buch zu Ende gelesen und waren davon begeistert:). Für Einige zählt es jetzt sogar zu den Lieblingsbüchern! Also kein Wunder, dass dieses Buch über drei Geschwister, die ihre Eltern verloren haben und auf unterschiedliche Weise versuchen mit diesem Schicksalsschlag fertig zu werden, 80 Wochen auf der Bestsellerliste war! Ja, und mit der Rezension in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung stimmte niemand überein, denn die war eher negativ.

Das Buch war leicht zu lesen aber aufgrund des Inhalts nicht einfach. Es gab gute Formulierungen und die Sprache war fließend. Der Inhalt nahm einen in Bann und man wollte das Buch einfach nicht aus der Hand legen. Wir konnten kaum glauben wie jung der Autor ist und wie gefühlvoll er die Geschichte beschrieben und die Charaktere behandelt hat. Wir waren alle von der Geschichte zutiefst berührt. Und obwohl sie traurig war, gibt es am Ende doch Hoffnung. Nichts im Buch war gekünstelt und es ist sehr schwierig so zu schreiben! Die Themen, die angeschnitten wurden, waren vielfach und interessant. Unsererseits gab es wirklich nichts daran auszusetzen.

Wirklich empfehlenswert und das ohne Einschränkung!