Alte Meister von Thomas Bernhard

Außer zwei Mitgliedern hat das Buch allen gefallen hat das Buch allen gefallen, aber alle ohne Ausnahme sind froh, das Buch gelesen zu haben. Auch “Alte Meister” – wie alle Bücher von Bernhard – ist von Wiederholungen, Hasstiraden und Klagen durchtränkt, aber es ist doch eine Komödie und wir alle haben an einigen Stellen laut gelacht, ab und an aber doch vielleicht mit etwas Unbehagen. Und für viele von uns ist der Schreibstil doch kreativ. Das Buch ist raffiniert aufgebaut, denn es geht ja um ein einziges Treffen, bei dem wir nach und nach Vieles erfahren und das mit einer Einladung zu dem Theaterstück “Der Zerbrochene Krug” endet. 
 
Reger, der Hauptcharakter des Romans, der jeden zweiten Tag im (fiktiven) Bordone-Saal im Kunsthistorischen Museum in Wien gegenüber von Tintorettos  “Weissbärtigem Mann” sitzt, hasst alles: das Lesen; das Singen; das Spazierengehen; den Petersdom in Rom; die Bewunderung, die viele Menschen für alte Meister empfinden und alles Festliche, ja sogar die Sonne! Besonders aber hasst er die Österreicher und da vor allem die Wiener. Und er kritisiert die Regierung. Gemeint ist Österreich, aber man denkt an die Gegenwart, wenn man liest: “Jeden Tag empfinden wir doch, wenn wir denken, nichts anderes als daß wir von einer vorheuchelten und verlogenen und gemeinen Regierung regiert werden, die dazu auch noch die dümmste Regierung ist, die man sich vorstellen kann, . . . und wir denken, daß wir nichts ändern können, das ist ja das Fürchterliche, daß wir daran nichts ändern können, daß wir ganz ohnmächtig zuschauen müssen, wie diese Regierung mit jedem Tag immer noch verlogener und verheuchelter und gemeiner und niedriger wird. . .
 
Ein Mitglied fand das Buch genial, hat die Verbindung mit Schopenhauer im Zusammenhang mit Subjekt des Erkennens und Objekt besonders interessant gefunden, denn oft wurde erst am Ende eines Absatzes klar, wer nun gesprochen hat, Reger oder der Erzähler Atzbacher. 
 
Bei Bernhard erwartet man natürlich kein Happy End, aber am Ende wird der Leser doch etwas überrascht. Reger hat seine Frau, die grosse Liebe seines Lebens, im Bordone-Saal kennengelernt und diese Liebe hat ihn “gerettet.” Man fragt sich allerdings, ob diese Beziehung für seine Frau einfach gewesen ist. Am Ende des Romans gesteht Reger/Bernhard, dass seine Mitmenschen doch wichtig im Leben sind. “Wir hassen die Menschen und wollen doch mit ihnen zusammensein, weil wir mit den Menschen und unter ihnen eine Chance haben, weiterzuleben und nicht verrückt zu werden.“ Andrerseits ist Reger ein Beispiel für Menschen, die über ein großes Wissen verfügen, aber wenig Verstand haben. Denn es reicht nicht aus, unabhängig zu denken und einen guten Zersetzungsmechanismus zu besizten, denn im Endeffekt vernichtet das nur alles Gute und Schöne im Leben.
 
Das Buch ist faszinierend und erinnert uns daran, dass wir die Kunst und die Gesellschaft kritischer betrachten (auch Alte Meister!) und für uns selbst bestimmen sollten, was wirklich etwas wert, anstatt blind zu akzeptieren, was die Gesellschaft davon hält. Das genial gezeichnete Graphic Novel mit Zeichnungen von Nicholas Mahler ist auch zu empfehlen. 

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