Da wir im Sommer gerne etwas Leichtes lesen, fiel unsere Wahl zum fünften Mal auf ein Buch von Martin Suter. Und wieder wurden wir nicht enttäuscht – insgesamt hat das Buch allen gut gefallen. Wir schätzen Suters Schreibstil, der es angenehm und einfach macht, in die Geschichte einzutauchen. Einige von uns empfanden das Buch allerdings als etwas zu lang, wobei der zweite Teil als spannender wahrgenommen wurde.
Was zunächst wie eine Liebesgeschichte beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Erzählung über Selbstinszenierung und Kontrolle. Das Buch ist voller rätselhafter Wendungen, die perfekt zum übergreifenden Thema passen: Was ist Wahrheit, und was ist Fiktion?
Dr. Stotz, ein alter Mann von immensem Reichtum und politischem Einfluss, beauftragt den jungen Tom Elmer – der weder reich ist noch politisch interessiert – damit, seinen Nachlass zu ordnen. Dr. Stotz ist eine faszinierende Figur. Seine prunkvolle Villa gleicht einem Schrein für seine verlorene Liebe Melody, eine bezaubernde Frau, die kurz vor ihrer Hochzeit auf mysteriöse Weise verschwand.
Es gibt mehrere Nebenfiguren, über die man jedoch nur wenig erfährt, obwohl sie oft präsent sind. Im Großen und Ganzen war keine einzige Person in der Geschichte wirklich sympathisch – manche waren interessant, aber niemand könnte als nobel bezeichnet werden.
Wie so oft in Suters Büchern spielen gutes Essen und Alkohol eine bedeutende Rolle.
Die meisten von uns konnten das Buch kaum aus der Hand legen und waren vom unerwarteten Ende völlig überrascht. Martin Suter versteht es meisterhaft, den Leser hinters Licht zu führen, was das Buch auf faszinierende Weise aktuell macht. Es zeigt, wie sehr die Reaktion auf Lügen von der jeweiligen Perspektive abhängt.

