Tell von Joachim B. Schmidt

Tell” von Joachim B. Schmidt war ein guter Vorschlag!! Wir haben das Buch nicht nur zu Ende gelesen, sondern diese bewegende Geschichte einfach großartig gefunden. Der Autor machte aus der Tell-Saga, deren Schiller-Version einige von uns kannten, andere aber nachlesen mussten, einen packenden Roman. Allerdings war Wilhelm Tell in diesem Buch kein Held, sondern ein getriebener, einfacher Mensch, der ständig kämpfen musste. Wir mochten den Schreibstil und das Buch war leicht zu lesen, obwohl einige von uns ein paar Wörter nachschlagen mussten. In die Geschichte wurden historische Ereignisse eingebaut und sie wurde von der Perspektive verschiedener Personen erzählt; von Walter, Tells Sohn, Wilhelms Frau Hedwig, die einst mit seinem Bruder verheiratet war, von Tells Mutter, Hedwigs Mutter, von Gessler, dem Vogt und Harras. Allerdings war das für diejenigen, die sich für die Hörversion entschieden haben, am Anfang etwas verwirrend, da nur eine einzige Stimme verwendet wurde. Eine Erklärung am Anfang, dass die Perspektive einer bestimmten Person geschildert wird, wäre hilfreich gewesen.

Einige von uns fanden, dass das Buch fast wie ein Film ablief, es gab viele Andeutungen, alles entwickelte sich langsam und es war trotzdem spannend. Nach der Szene mit dem Schuss las sich das Buch fast wie ein Thriller – noch spannender und alle Fäden liefen zusammen. 

Joachim Schmidt hat so viele Themen behandelt – Schuld und Sühne, Kindesmissbrauch, Macht, Tyrannei und Unterdrückung, die Verachtung anderer Menschen und den Hass auf die Bauern. 

Wir haben auch über die Charaktere Harras und Gessler diskutiert. In Schillers Wilhelm Tell hat der Kaiser Hermann Gessler in Uri eingesetzt, um für Recht und Ordnung zu sorgen und dieser missbraucht seine Stellung als Landvogt, gibt und empfängt keine Liebe. Schmidt beschreibt Gessler als Schwächling, der mit seiner Stellung hadert, seine Frau und Tochter vermisst, sich aber vor anderen keine Blöße geben will und deshalb willkürlich und brutale Befehle erteilt.

Wir können dieses Buch nur empfehlen und werden gerne wieder ein Buch von diesem Autor lesen!

Die Wunderübung von Daniel Glattauer

Für uns war dies das erste Buch des österreichischen Schriftstellers Daniel Glattauer. Und obwohl viele von uns nicht so gerne ein Theaterstück lesen, hat es den meisten von uns gefallen. Allerdings fanden einige, dass es sich bei dem Stück „Die Wunderübung“ nicht um eine Komödie, sondern eher um eine Tragikkomödie handelt.

Der sich entspinnende Dialog zwischen dem in einer tiefen Ehekrise steckenden Ehepaar Joana und Valentin und dem Paartherapeuten war hervorragend und zeigt deutlich die verletzten Gefühle der Ehepartner und auch, dass sie eigentlich keinen Respekt füreinander haben. Es war fast peinlich, diese Auseinandersetzung zu lesen oder zu hören. Übrigens war die Hörversion seh gut und verwendete vier verschiedene Sprecher – die vierte Stimme war der Erzähler.

Der verzweifelte Versuch des Therapeuten, Regeln für das Gespräch zu etablieren, gelang nicht und auch die Übungen brachten keine Annäherung zwischen den Partnern. Bis der Therapeut auf eine Strategie zurückgreift, mit der er plötzlich mehr Erfolg hat.

Viele von uns haben solche unangenehmen Streitigkeiten zwischen Ehepartnern miterlebt. Einige Mitglieder fanden, dass es Menschen gibt, die es regelrecht genießen, vor einem Publikum zu streiten und „Punkte zu gewinnen“, andere fragten sich, ob der Autor mit dem Stück darauf hindeuten will, dass man vielleicht eine Lösung finden kann, wenn man sich nicht immer auf sich selbst konzentriert, sondern versucht auch anderen Menschen zu helfen. Andere wiederum konnten beim Lesen schmunzeln und haben sich in ein oder der anderen Szene sogar wiedererkannt.

Die Frau aus der Nordsee von Anna Johannsen

Unser Literaturkreis liest schon seit langem jedes Jahr einen Krimi -wir lieben Krimis -, aber diese können manchmal verwirrend und schwer zu verstehen sein. Aber dies war bei „Die Frau aus der Nordsee“ von Anna Johannsen überhaupt nicht der Fall. Wir haben diesen Krimi alle zu Ende gelesen, fanden ihn einfach zu lesen und vielen von uns hat er gut gefallen. Wir mochten besonders die Landschaftsbeschreibungen; diejenigen von uns, die dieses Gebiet nicht besonders gut kennen, haben sich auf dem Internet und mit Hilfe von Karten schlau gemacht und dadurch viel gelernt, und in denjenigen, die mit dieser Region vertraut sind, wurden schöne Erinnerungen geweckt.

Bestimmte Themen wie Suchtprobleme im allgemeinen und Spielsucht im Besonderen, sowie Prostitution waren allerdings nicht leicht zu verdauen. Ein Mitglied war der Meinung, dass sich das Buch fast wie eine TV-Show las, ein anderes Mitglied fand es interessant, dass die Kommissarin irgendwie im Hintergrund bleib, aber vielleicht liegt der Grund dafür an der Tatsache, dass es sich hier um die achte Folge einer Krimiserie handelt.

Einige von uns haben das erste Mal von einer Babyklappe gehört, einer Vorrichtung, mit der Neugeborene anonym bei einer Institution abgegeben werden können. Vielleicht wird es nach der wegweisenden Entscheidung des Obersten Gerichtshofes in den USA, mit der das Abtreibungsrecht des Landes gekippt wurde, auch bald zahlreiche solcher Einrichtungen hier geben.

Ein perfektes Buch für den Strand oder im Flugzeug oder Zug – spannend, leicht zu lesen und empfehlenswert. Und wir werden in ein oder zwei Jahren wieder gerne einen Krimi von dieser Autorin lesen.

Die Liebe im Ernstfall von Daniela Krien

Die Mehrheit unserer Gruppe ist den fünf Frauen in den Vierzigern, deren ineinander verschlungene Leben in Leipzig Autorin Daniela Krien schildert, gerne gefolgt. Das Buch war sehr gut geschrieben und wir schätzten besonders die Handhabung der wechselnden Erzählperspektiven und Zeitformen. Zwei Mitglieder haben nach der dritten Geschichte aufgehört, die alle etwas schwach fanden. Das war der Eindruck besonders bei denjenigen, die sich für das Hörbuch entschieden hatten. Es gab für jede Frau eine andere Sprecherin und die dritte war zusätzlich zum verärgernden Inhalt auch noch schwierig zu verstehen . 

Einige von uns hat es überrascht, dass es sich in diesem Buch um fünf selbstständige, beruflich erfolgreiche Frauen handelt, deren Fokus hauptsächlich auf eine Beziehung mit einem Mann gerichtet ist. Es geht um Frauen, die mit sich selbst nicht in Einklang sind, innerlich unruhig sind, und statt sich auf die Aufarbeitung von offensichtlichem Trauma zu konzentrieren, unbedingt einen Partner finden wollen. Was nicht gut ausgehen kann und sich dann leider auch negativ auf die Kinder auswirkt. Dazu kommt noch, dass keine Kompromisse geschlossen werden können, was die Basis für gute Beziehungen ist. Nur eine der fünf Frauen hat eine gute Beziehung und wird dann nach der ersten Geschichte kaum erwähnt.

Aber man kann spüren, dass die Autorin Mitgefühl für ihre Protagonistinnen hat. Sie beschreibt, was Verrat, Selbstverwirklichung, Muttersein und Kinderlosigkeit bedeuten. Sie versteht die Geschlechterrollen und den Preis, den die Frauen des “Postpatriarchats” für ihre Entscheidungen bezahlen. Was für uns, die wir in den USA leben, ein wichtiger Diskussionspunkt war. Irgendwie haben wir das Gefühl, dass die Situation für Frauen hier doch anders ist. Es wäre bei uns undenkbar, dass eine finanziell unabhängige und beruflich erfolgreiche Frau eine Bürgschaft von einem männlichen Wesen braucht, um eine Wohnung zu mieten!

Die Autorin gibt dem Leser auch einen Einblick in die Auswirkungen der zwei verschiedenen Systeme der BRD und DDR. Denn die Frauen kommen aus dem Osten und die Männer aus dem Westen und das führt zu kulturellen Spannungen. Auf alle Fälle sind wir froh, dass wir dieses Buch gelesen haben und haben uns auch entschieden, viel öfter zeitnahe Bücher zu lesen. 

Der Pfau von Isabel Bogdan

Wir haben alle den Debütroman von Isabel Bogdan “Der Pfau” zu Ende gelesen oder gehört und dieses Buch ausnahmslos genossen. Alle fanden das Buch ausgesprochen lustig und auch bei der Diskussion wurde sehr viel gelacht. Die Geschichte, in der es um Teambuilding, um einen verrückt gewordenen Pfau auf einem alten Herrenhaus, in dem einige Zimmer an Feriengäste vermietet werden, und auch um die britische Oberschicht geht, war zwar nicht sehr tief, aber wirklich unterhaltsam und leicht zu lesen. Nur das Wort “Pfau” mussten einige von uns nachschlagen:).

Vielen von uns hat auch der Schreibstil sehr gut gefallen, da eine Handlung nach der anderen beschrieben wird und es eigentlich keine Stellen gab, wo man sich langweilte. 

Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven, darunter auch der eines Hundes, erzählt; jeder weiß etwas, was der andere nicht weiß. Aber niemand erzählt den anderen, was er weiß. Aber der Leser weiß alles!

Es war auch schön ein deutsches Buch, das humorvoll ist, zu lesen! Denn davon gibt es ja leider nicht viele. Und obwohl die Rezensionen, von denen wir einige gelesen haben, nicht so toll waren, wurde dieses Buch ein Bestseller:). 

Wir haben die Hörversion ebenfalls besprochen, denn der Sprecher war zwar fantastisch, hatte aber Probleme mit der Aussprache des Namens “Albert” und dem schottischen Getränk Drambuie. 

Wir haben auch über Teambuilding im Allgemeinen gesprochen und wir haben eigentlich alle damit Probleme, ganz besonders mit sinnlos erscheinenden Aufgaben. Viel besser finden wir es, wenn Mitarbeiter einfach Zeit miteinander verbringen und sich so besser kennenlernen. 

Wir können dieses Buch nur empfehlen, besonders wenn man sich weit weg vom Alltag bewegen will.