Nachtleuchten von María Cecilia Barbetta

Viele von uns haben sich ernsthaft bemüht, dieses Buch zu lesen, aber nur zwei von uns haben es zu Ende gelesen. Wir waren alle vom Schreibstil beeindruckt und fanden es faszinierend, dass sich die Autorin besser auf Deutsch ausdrücken kann und dabei eine gewisse Freiheit erfährt, wenn sie über ihr Heimatland schreibt. Das hat uns an andere Schriftsteller, wie zum Beispiel Jhumpa Lahiri erinnert, die lieber in einer Fremdsprache schreiben um eine gewisse Distanz zu bewahren. Lahiri schreibt lieber auf Italienisch statt auf Englisch oder in ihrer Muttersprache, Bengali, weil sie sich dann freier und tapferer fühlt. Und Barbetta empfindet das ihrer Aussage nach ähnlich. Da es in unserem Lesekreis auch fast keine Muttersprachler gibt, waren wir davon beeindruckt, wie gut Barbetta die deutsche Sprache beherrscht und haben viele neue Wörter bzw. Ausdrücke gelernt.

Die Idee über einfache Menschen zu schreiben, die in turbulenten und gefährlichen Zeiten gefangen sind, ist toll. Die Zeiten vor der “guerra sucia” in Argentinien sind der perfekte Schauplatz dafür, einen Blick auf die vielen Menschen zu werfen, die vom “schmutzigen Krieg” betroffen sind. Die Autorin beschreibt einen Vorort von Buenos Aires, Ballester, wo hauptsächlich Einwanderer leben und führt eine Person nach der anderen ein. Aber damit beginnt schon das erste Problem. Es sind viel zu viele Personen, von denen da erzählt wird und manche kommen nur ein oder zweimal vor und ab und an liegen 20 Kapitel dazwischen und man kann sich nicht mehr daran erinnern, in welchem Zusammenhang man den Namen schon einmal gelesen hat, oder wer was gesagt oder gemacht hat. Eine Namensliste am Anfang des Buches wäre vielleicht hilfreich gewesen!

Die Figur von Theresa spielt eine Hauptrolle. Als junges Mädchen wird sie von einer jungen freigeistigen Nonne inspiriert und hat den Einfall etwas Besonderes zu schaffen. Sie hat eine kleine Madonna-Statue, die während der Nacht leuchtet und bringt die Madonna als spirituelle Lichtquelle von einem Nachbarn zum anderen. Dies war eine geniale Idee der Autorin, einen Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Charakteren herzustellen. Man bekommt dadurch einen Eindruck vom Leben und den Menschen in diesem Vorort, als die Statue durch die Gegend wandert. Aber wie gesagt, es gibt einfach zu viele Charaktere, zu viele Nebenerzählungen, auch viel zu viele Seiten und viel zu viele Worte und viel zu viele Kapitel. Trotz aller Mühe war es wirklich schwierig sich zu konzentrieren und das Interesse wach zu halten.

Es gibt drei Teile und jeder Teil hat 33 Kapitel. 33 ist eine magische Zahl — Jesus und Evita lebten beide 33 Jahre. Diese kosmische Zahl ist wichtig, weil der Minister, der in Argentinien schliesslich an die Macht kommt, Anhänger von solchem Aberglauben ist. Zusätzlich fanden wir es problematisch, dass es in vielen Kapiteln überhaupt keine Handlung sondern nur Dialoge gibt und da die Mehrheit der Charaktere nicht ausführlich genug beschrieben wird, kennt man sie nicht genug um zu verstehen, warum sie sagen was sie behaupten oder wer sie in Wirklichkeit sind.

Und das ist eigentlich wirklich schade, da es so viele wunderbare Szenen und Charaktere gibt: Die Mädchen in der katholischen Schule und ihre Faszination mit der Nonne Maria und ihrer Vespa. Die Autowerkstatt, Autopia, und die Männer die sich oft unterhalten und die Probleme der Welt diskutieren. Der Friseur, Celio, seine Liebe zu seiner Mama und deren Liebe zu Eva Peron und den Ausbeutungen in diesem Zusammenhang. Man hat eine Vorahnung von den furchtbaren Zeiten, die bevorstehen. Besonders präsent ist die Idee vom “Verschwinden.” Die Nonne verschwindet. Der Sänger Tormenta verschwindet. Man spricht über das Bermuda-Dreieck.

Einige von uns finden den zweiten Teil am besten und weniger oberflächlich als die anderen zwei Teile. Das gesamte Werk war etwas zu distanziert für unseren Geschmack und wir hatten alle Probleme eine innere Verbindung mit den Charakteren herzustellen.

Der Stoff ist so wichtig, die Idee ist genial, aber die Ausführung etwas enttäuschend.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.