Schäfchen im Trockenen von Anke Stelling

Die Meinungen über diverse Aspekte dieses Buches waren teilweise etwas unterschiedlich aber mit Ausnahme von einem Mitglied hat es allen gut gefallen und zwei Mitglieder haben es geliebt bzw. sehr genossen. In diesem Roman von Anke Stelling geht es im Grunde genommen um ein ganz bestimmtes Milieu: Mittvierziger, die einst mit linken Idealen nach Berlin kamen und jetzt im Prenzlauer Berg Baugruppenhäuser für sich und ihre Familien errichten.

Besonders den Einblick in die Auswirkungen der Klassenschichten in einer anderen Kultur fanden viele sehr interessant, denn in diesem Buch wurden viele gesellschaftliche Themen angesprochen. Allerdings mit einer solchen Wut und Ehrlichkeit, was beim Lesen oft  unangenehme Gefühle hervorbrachte, was ja offensichtlich die Absicht der Autorin war. Aus diesem Grund gab es die verschiedensten Meinungen über die Protagonistin Resi; einige fanden sie unsympathisch, andere aufgrund ihrer Ehrlichkeit bewundernswert; andere wiederum sehr egozentrisch und nicht einsichtig genug gegenüber ihren eigenen Schwächen.  Uns ist klar, dass Resi verstanden werden wollte, aber ihre Vorgangsweise war für viele von uns etwas fragwürdig. Resi schien alles schwarz oder weiß zu sehen, wenn im Leben ja eigentlich nichts eindeutig schwarz oder weiß ist.

Unsere Diskussion war sehr lange und ausführlich und umfasste viele Themen; u.a. die Heuchelei der Welt, emotionaler Inzest, die Wohlstandsgesellschaft, die Wunden der Kindheit und ihre Auswirkungen, Schwierigkeiten bei der Kindererziehung, das Leben und Milieu am Prenzlauer Berg. Der Autorin ist es gelungen, dem Leser einen Einblick zu geben in das “Mittelschichtdasein”, die Angst, nicht dazu zu gehören, und auch darüber wie schwierig es ist, ohne finanzielle Rückendeckung der Eltern sich selbst zu verwirklichen, insbesondere mit mehreren Kindern.

Da wir ja keine Muttersprachler sind, war der Anfang des Buches allerdings für fast alle etwas verwirrend, weil die Autorin zahlreiche Charaktere relativ rasch vorstellt und es immer wieder Rückblenden gibt.

Das Buch hat einen besonderen Platz im Herzen aller Mitglieder. Es war das großzügige Geschenk von Mitgliedern des Lesekreises “Klappentext, Lübeck,” die uns „Leseratten“ in Washington besuchten. Sie besorgten Exemplare für jeden von uns, die die Autorin freundlicherweise signiert hatte. Was für eine wunderbare Geste! Wir sind alle sehr dankbar und wirklich froh, dieses Buch gelesen zu haben.

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