Der Fall Deruga von Ricarda Huch

“Kein Genuss, aber auch keine Zeitverschwendung” war der allgemeine Tenor über dieses Buch von Ricarda Huch. In “Der Fall Deruga” aus dem Jahre 1917 geht es um eine exhumierte Leiche, einen Giftmord und einen Arzt mit zweifelhaftem Ruf. Die Frage ist, ob Dr. Deruga, der geschiedene Mann des Opfers, der einen verschwenderischen Lebensstil pflegte, den Mord begangen hat und wenn ja warum. Er ist der Alleinerbe des Vermögen seiner Ex-Frau. 


Der Fall bringt eine überraschende Wahrheit ans Licht, aber der gesamt Fall beruht auf der Beschuldigung einer Verwandten des Opfers und bei der Verhandlung geht es eigentlich nicht  hauptsächlich um Indizien sondern der Richter wollte mehr über den Charakter des Beschuldigten wissen, was wir alle etwas befremdlich fanden und er entschied auch, wer was sagen durfte. Da es sich bei dem Angeklagten um einen Italiener handelte, stellt sich natürlich die Frage, ob die Autorin, die selbst einige Jahre mit einem Italiener verheiratet war, über die Vorurteile gegen Italiener und andere Ausländer aufmerksam machen wollte.

Die Behauptung am Ende des Buches, dass der Angeklagte freigesprochen werden würde, weil er die Tat aus Mitleid begangen hatte war unglaubwürdig, da ja auch im Jahre 1917 Beihilfe zum Selbstmord eine Straftat war. Ein Mitglied unserer Gruppe hat sich den Film angesehen und berichtet, dass das Ende des Filmes anders ist als im Buch. Obwohl dieser Film während der Nazi-Zeit gedreht wurde, vermied man die Themen Euthanasie bzw. Beihilfe zum Selbstmord – die Ex-Frau von Dr. Deruga hatte in der Filmversion Selbstmord begangen und das war ihrer Freundin bekannt, aber sie fand das als solche Schande, dass sie den Beweis dafür verschwinden liess. 

Diejenigen, die sich für das Hörbuch entschieden hatten, waren von diesem nicht begeistert. Die Sprecherin hatte zwar eine schöne Stimme, war aber keine besonders gute Vorleserin. Auch diejenigen, die das Buch lasen, hatten mit dem ersten Teil Schwierigkeiten und mussten einige Stellen mehrmals lesen. Der zweite Teil hat allen wesentlich besser gefallen.

Wie so oft, wenn uns ein Buch nicht besonders gut gefallen hat, war die Diskussion umso besser. Außerdem sind wir alle von Ricarda Huch und ihrer Persönlichkeit sehr beeindruckt.

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