Das Sandkorn von Christian Poschenrieder

Ach, der bittersüße Schmerz von unerwiderter Liebe! In diesem Roman gibt es ein unvergessliches Verhältnis zwischen zwei Männern: einem Kunsthistoriker, Jacob Tolmeyn (“Mit c und y“), und Beat Imboden, einem ehemaligen Schweizergardisten des Papstes. Die Gefühle, die Jacob für Beat während ihrer Zusammenarbeit in Italien langsam spürt kann er leider nicht ausdrücken. Paragraf 175 bleibt für ihn eine verhängnisvolle Drohung, und der Kunsthistoriker ist schon einmal erpresst worden und musste Berlin verlassen. Die Freundschaft dieser zwei Männer wird noch komplizierter, als eine neue Person erscheint, Letizia, eine gewinnende, aber kampflustige Assistentin. Der Roman handelt aber nicht nur von Freundschaft und Liebe, sondern auch von Kunst, die den Turbulenzen der Zeit standhält. Ein Großteil der Handlung spielt sich in Italien ab, kurz bevor die ersten Schüssen in Sarajevo gefeuert werden. 

Die Geschichte wird kaleidoskopisch mit viel Wärme und Humor erzählt. Es gibt viele Rückblenden, aber der Autor beginnt den Roman mit einem Ereignis im Juni 1915.  Ein „durchaus gut gekleidete Herr“ geht durch Berlin und lässt langsam Sand aus Säckchen zum Trottoir ausrieseln. Er verstreut Sand in bestimmten Stellen und währenddessen intoniert er seltsame Namen: „Lucera“, „Barletta“, „Trani“, . . . „Castel del Monte“.  Warum macht er das? Die Polizei wird gerufen und der Mann, unser Held, der Kunsthistoriker, wird von einem gewissen Kommissar Treptow verhört. 

Die Erzählstränge werden von dem Polizisten und dem Kunsthistoriker geschrieben und sind miteinander verwoben. Einige LeserattenDC-Mitglieder haben die erste Hälfte des Romans etwas mühsam gefunden, weil die Handlung und die Entfaltung der Charaktere ausgedehnt wird. Aber diejenigen die beim Lesen hartnäckig blieben fanden das Buch bald fesselnd und lasen es zu Ende. Die Spannung zwischen den beiden Männern wirkt faszinierend, und langsam erfährt man, warum Jacob Sand verstreut und warum er überhaupt Sandproben gesammelt hatte. In dieser Geschichte kann man sich irgendwie einen Menschen vorstellen, der im Sand einer Sanduhr gefangen ist und von historischen Ereignissen und Katastrophen mitgerissen wird.

Das Schlüsselkapitel des Romans heißt „Treibsand.“ In diesem Kapitel genießen die beiden Männer endlich eine idyllische Zeit zusammen, eine unschuldige Zeit, die leider mit der Vorahnung dessen, was der kommende Krieg bringen wird, scheitert. 

Die Charaktere von Tolmeyn und Beat Imboden wurden von zwei Figuren aus der Kunstgeschichte inspiriert: Arthur Haseloff und Martin Wackernagel, die den Auftrag hatten eine Bestandsaufnahme der Bauten aus der Zeit Friedrichs II zu machen und zu fotografieren. 

Im Großen und Ganzen hat das Buch uns gefallen! 

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.