Exil von Lion Feuchtwanger

Das ist das dritte Buch von Lion Feuchtwanger, das wir gelesen haben und auch dieses Mal waren wir vom Schreibstil und vom Inhalt zutiefst beeindruckt. In diesem Roman geht es um den bayrischen Komponisten Sepp Trautwein, der von den Nazis von München nach Paris geflohen ist und sich bereits seit zwei Jahren im Exil befindet. Als ein Journalist der Exilantenzeitschrift Pariser Nachrichten ihn darum bittet, ihn für ein paar Tage zu vertreten, dann allerdings von den Nazis verschleppt wird, bliebt er bei der Zeitung und kämpft mit publizistischen Mitteln um seine Freilassung. 

In dem Rom werden allerdings viele Charakter beschrieben, u.a. ein Gegenspieler von Trautwein, der eine Beziehungen mit einer Vierteljüdin unterhält, mit der er einen Sohn hat sowie der jüdische Inhaber der Exilantenzeitschrift. 

Feuchtwanger ist ein Genie wenn es um die Beschreibung der Charakter geht, besonders hinsichtlich der Tatsache, dass sich viele- zumindest anfangs – an der Grenze zwischen Gut und Böse befinden und am Ende einige ins Böse abrutschen. Die innerlichen Zwiegespräche der Charaktere sind faszinierend und zeigen, wie sie ihre Vorgangsweise vor sich selbst rechtfertigen!

Der Roman hat über 800 Seiten und deshalb haben sich einige sich für das Hörbuch entschieden und waren auch von dieser Version beeindruckt. Sie ist zwar wesentlich kürzer, aber obwohl einige Kapitel ausgelassen und in anderen Kapitel Sätze gestrichen wurden, war die Hörversion wortgetreu und vom Inhalt ging nichts verloren.

Es berührt einen tief, über diese Zeit vor Ausbruch des Krieges zu lesen und einen Einblick in die äußeren und inneren Erlebnisse der Emigranten, die herrschende Unsicherheit, die Sorgen, die Ohnmacht, das Schwanken zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, den aufreibenden Alltag und das ständige Warten  zu bekommen. Und wir Leser wissen ja, dass es noch schlimmer kommen wird. Das viele derjenigen, die in Paris blieben, den Krieg nicht überlebt haben, Viele sogar zurück nach Deutschland verschleppt wurden und dort ums Leben kamen. 

Obwohl das Buch in den dreißiger Jahren spielt ist es heute auch relevant. Denn auch viele von uns leben in Unsicherheit und warten – warten darauf, dass die Pandemie zu Ende geht, warten darauf, dass sich die politische Situation verbessert, warten darauf, dass sich Dinge insgesamt verändern, warten darauf, dass Mitbürger aufwachen und der Wahrheit ins Auge sehen. Wann ist es zu spät?  

Ein Mitglied hat den Begriff „Boiling-Frog-Syndrom“ erwähnt; ein Experiment aus der Biologie: Setzt man einen lebendigen Frosch in kochendes Wasser, spürt er die drohende Gefahr und springt sofort weg. Aber wenn das Wasser lauwarm ist und nur langsam erhitzt wird, dann wird der Frosch verbrüht.. Das Boiling-Frog-Syndrom beschreibt die Unfähigkeit, sich zu verändern oder rechtzeitig Veränderungen herbeizuführen.

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