Marzahn, Mon Amour

Wir haben alle das Buch „Marzahn, Mon Amour“ von Katja Oskamp genossen, obwohl es sich nicht um ein großes literarisches Werk im klassischen Sinne handelt. Die Autorin beschreibt ihre eigenen Erfahrungen als Fußpflegerin in einem Studio im Marzahner Plattenbauviertel mit viel Herz, Mitgefühl und Humor. Dabei gelingt es ihr, die unterschiedlichen Charaktere ihrer überwiegend älteren Kundschaft lebendig und authentisch darzustellen. Besonders beeindruckt hat uns ihr großes Verständnis für die Menschen, denen sie begegnet. Sie beschreibt jede Person so, wie sie ist, und begegnet ihr dabei völlig urteilsfrei. Diese Haltung verleiht dem Buch eine besondere Wärme und Menschlichkeit.

Schön ist auch, dass die einzelnen Kapitel den Geschichten ganz gewöhnlicher Menschen gewidmet sind – Menschen, die sonst oft keine Stimme haben. Im Fußpflegestudio sitzen sie auf ihrem „pinken Thron“, erzählen aus ihrem Leben, und die Autorin beziehungsweise Fußpflegerin hört ihnen wirklich zu. Dadurch entstehen berührende und oft überraschende Einblicke in sehr unterschiedliche Lebenswege.

Auch das Verhältnis zu ihren Kolleginnen sagt viel über den Charakter der Autorin und ihr Einfühlungsvermögen aus. Darüber hinaus vermittelt das Buch interessante Eindrücke von der Geschichte dieses Berliner Stadtteils, des Plattenbaus sowie vom Leben in der DDR und den Veränderungen nach der Wende.

Dass das Werk ins Englische übersetzt wurde, überrascht nicht. Besonders bemerkenswert fanden wir jedoch die Geschichte seiner internationalen Erfolgsgeschichte: Die Übersetzung wurde mit dem Dublin Literary Award ausgezeichnet, und die Übersetzerin erhielt 25 Prozent des Preisgeldes – eine schöne Anerkennung ihrer Arbeit. Außerdem entstand auf Grundlage des Buches eine sechsteilige Fernsehserie für die ARD. Eines unserer Mitglieder hat sich die Verfilmung angesehen und berichtete, dass man dort teilweise andere Seiten einzelner Figuren kennenlernt als im Buch.

Die Autorin selbst hat die Hörbuchfassung vorgelesen. Einige Mitglieder unserer Gruppe entschieden sich für diese Version. Da sie keine ausgebildete Sprecherin ist, merkt man dies stellenweise. Interessant war jedoch zu beobachten, wie sich ihre Stimme veränderte, sobald sie Berliner Dialekt sprach: Dann klang sie deutlich direkter, schneller und lebendiger.

Insgesamt können wir „Marzahn, Mon Amour“ sehr empfehlen.

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