Wir lieben Krimis und lesen jeden Sommer gemeinsam einen. Dieses Jahr haben wir uns für einen Krimi von Philipp Gurt entschieden, dem derzeit erfolgreichsten Schweizer Krimiautor. Seine letzten sechs Romane standen innerhalb von nur zwanzig Monaten jeweils unmittelbar nach Erscheinen auf Platz 1 der Schweizer Bestsellerliste – etwas, das vor ihm noch kein Autor geschafft hat.
„Die Tote im St. Moritzersee“, der zweite Fall der naturverbundenen Ermittlerin Corina Costa, hat uns ausnahmslos gut gefallen. Der Roman spielt im Engadin, und besonders die schönen Landschaftsbeschreibungen haben uns angesprochen. Man merkt deutlich, wie sehr der Autor mit Graubünden und seiner Landschaft verbunden ist.
Das Buch ist leicht zu lesen und gut verständlich. Die Mehrheit von uns empfand den ersten Teil allerdings als etwas langsam. Nach dem Fund der Leiche nimmt die Handlung jedoch deutlich an Fahrt auf, und dann geht alles sehr schnell. Einige fanden sogar, dass manche Erklärungen gegen Ende fast zu rasch präsentiert wurden.
Der Roman hat zwar nicht besonders viel Tiefe, und einige Entwicklungen erschienen uns nicht ganz glaubwürdig oder sogar etwas bizarr – zum Beispiel die Geschichte um die Anwältin. Das hat unseren Lesegenuss jedoch kaum beeinträchtigt, denn es gab auch viele sehr gelungene Stellen. Schon den Prolog fanden wir atmosphärisch dicht und beinahe poetisch. Auch die gesellschaftlichen und sozialen Unterschiede bringt Gurt gut zum Ausdruck.
Besonders gefreut hat uns das positive Ende. Gerade weil wir in schwierigen Zeiten leben, war es schön, einen Krimi zu lesen, der einen nicht mit einem düsteren Gefühl zurücklässt. Allerdings haben wir auch über die schreckliche Kindheit des Autors gesprochen und waren von seinen Erfahrungen sehr betroffen.
Für uns war „Die Tote vom St. Moritzersee“ eine perfekte Strandlektüre: spannend, unterhaltsam, unkompliziert zu lesen und durchaus ein Buch, das man in einem Zug verschlingen kann.

